Kapitel 9

Offizielle Yamen Sitzung in Guangzhou (vor 1889, Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AYamen-Sitzung.JPG)

Seitdem wurde Wong Lou Zo noch berühmter und viele Menschen kamen um von ihm Kampfkunst zu lernen. Die Popularität des Wing Chun Kyun (永春拳) war annähernd vergleichbar mit der des Mok Gaa Stils (莫家, Mok Familie)¹. Damals wurde ein Mou Geoi Jan (武举人)² namens Gou Hau Ci (高厚慈) als Baa Zung (把总)³ zum 5. Gericht (五斗司, Ng Dau Si) der Behörde (衙门, Yamen)⁴ nach Fatsaan geschickt.

Er trug die Verantwortung für alle Anstrengungen zur Eindämmung des Straßenraubs und Diebstahls in dieser Gegend. Die bewaffnete Armee die er befehligte umfasste rund tausend Männer, die in verschiedenen Dörfern postiert wurden um die Kornspeicher zu bewachen. Die Behörde des 5. Gerichtes lag nahe Daai Waan (大湾), wo viele gebürtige Dung Guns (东莞) lebten, zusammen bildeten sie eine gemeinsame Streitmacht. Denn obwohl Fatsaan zum Verwaltungsbezirk Naam Hoi gehörte, zogen Leute von unterschiedlichen Orten hinzu, aber abgesehen von den Dung Guns, neigten die Einheimischen zu einer weitergestreuten Besiedelung. Deshalb war der Landstrich auch bekannt als das „Land der Dung Guns“ (東莞地, Dung Gun Dei). Die Dung Guns die in Daai Waan lebten, waren hauptsächlich Gemüse-Bauern und Gemüse-Farmen und Melonen-Felder waren kilometerweit zu sehen. Nichtsdestotrotz wurde das größte Geschäft mit Dunggruben gemacht. Mist wurde als Dünger benutzt und die Bauern mussten die Exkremente (Kot und Urin) kaufen. Die gekauften Produkte erfordern eine bestimmte Verarbeitung bevor sie eingesetzt werden können. Urin konnte für alle Bauernhäuser, die Platz für solche Depots hatten, sehr einfach gelagert werden. Aber Mist muss in Gruben verbracht und Spreu hinzugefügt werden um daraus Dung herzustellen. Es gab Händler die große Geschäfte machten, indem sie Mistgruben ins offene Gelände von Daai Waan gruben und Mist an die Bauern verkauften.

Die Dung Guns die in Daai Waan lebten waren sehr gemeinschaftlich und halfen sich immer gegenseitig. Wenn einer in Not war, leisteten andere Beistand und Schutz und sie wurden zu einer mächtigen Größe. Gou war ein typischer Dung Gun. Er bevorzugte es Dung Guns für sich arbeiten zu lassen. Als er Sachgebietsleiter des 5. Gerichtes der Behörde war, waren viele in der bewaffneten Einheit Dung Guns. Tatsächlich aber gab es noch einen weiteren wichtigen Grund, sie als Mitglieder der Armee zu beschäftigen. Dung Guns waren dafür bekannt, besonders hart im Nehmen zu sein und fleißig zu arbeiten. Ihr kämpferisches Temperament, Mut und ihr hervorragendes Kampfgeschick, prädestinierten sie dazu, die Bandenkriminalität in der Gegend zu unterbinden. Gou dachte sogar darüber nach einen Kampfkunstlehrer aus Dung Gun anzustellen. Er wusste, dass Wong Lou Zo ein Meister des Wing Chun (永春) war und beabsichtigte ihn einzuladen. Jedoch, Wong hatte eine Vielzahl von Lehrverpflichtungen und keine Zeit. Deswegen wählte er einen seiner Schüler aus, Keoi Hong, der dessen Platz übernahm. Keoi war sieben oder acht Jahre lang Wongs Schüler gewesen und war sehr weit gekommen. Da er keine Arbeit hatte, dachte Wong an ihn als den Passendstens für diese Aufgabe. Als er mit Keoi darüber sprach, war Keoi hocherfreut und willigte ein. Also schrieb Wong ein Empfehlungsschreiben und Keoi nahm dies zum Anlass, Gou im 5. Gericht aufzusuchen. Gou war überhaupt nicht erfreut Keoi zu empfangen. Denn obwohl er ein bärenstarker Kerl von überzeugender Figur war, ließen ihn rote Beulen über das ganze Gesicht aussehen wie einen Aussätzigen. Da aber Keoi von Wong empfohlen und ein Dung Gun war, stellte er ihn schließlich doch als Kampfkunstlehrer an und ließ die Armee in Wing Chun Kyun (永春拳) ausbilden. Die Menschen nannten Keoi „Der Aussätzige Hong“ (發瘋康, Faat Fung Hong).

Gleichzeitig lehrte Loeng Zaan auch Wing Chun Kyun im Zaan Sang Tong⁵. Er unterrichtete Siu Nim Tau, Cam Kiu and Biu Zi. Keoi bekam zu Ohren, dass Loengs Wing Chun Kyun in drei Teile geteilt war, was sich von dem unterschied, was er gelernt hatte und dass sein Lehrer Loeng On war, wohingegen der Gründer der Schule, welchem Keoi folgte, Loeng Bok Lau war. Basierend auf all diesen Unterschieden machte er geltend, dass das was Loeng Zaan lehre nicht das rechtmäßige Wing Chun (永春) sei. Als diese Bemerkungen nach einiger Zeit bis zu Geldwechsler Waa (Can Waa) durchdrangen, war dieser, der jene als bösartige Behauptungen betrachtete, ziemlich provoziert. Dennoch wagte es Can nicht Keoi herauszufordern, da er der Kampfkunstlehrer im 5. Gericht der Behörde war und Rückendeckung von Gou erhielt. Can besprach sich mit Loeng Zaan und schlug vor ihren Stil als Wing Chun (詠春) bekannt zu machen, in Gedenken an Jim Wing Chun (嚴詠春)⁶. Loeng Zaan stimmte zu, dass der Name eine dem Gedenken würdige Tatsache sei, aber nur als ein Zweig von Wing Chun (永春)⁷ erachtet werden sollte.

¹ Das Kung Fu der Mok Familie, benannt nach dessen Gründer Mok Da Si, ein Mönch des Shaolin Klosters.

Es konnten fünf Mönche, bekannt als die Fünf Ältesten, aus dem Shaolin Tempel in der Henan Provinz fliehen. Zi Sin floh in den Süden, nach Guangdong.

Wiederum fünf Schüler von Zi Sin gründeten die fünf großen Kung Fu Stile in Südchina.

  1. Hung Hei Gun, Gründer des Hung Gaa
  2. Lau Saam Ngaan, Gründer des Lau Gaa
  3. Coi Gau Ji, Gründer des Coi Gaa
  4. Lei Jau Saan, Gründer des Lei Gaa
  5. Mok Cing Giu, Gründer des südlichen Mok Gaa.

(Quelle:https://en.wikipedia.org/wiki/Five_Elders)

² Ein erfolgreicher Kandidat bei den kaiserlichen Prüfungen der Kampfkünste auf provinzieller Ebene

³ Ein niederrangiger Offizier der Arme während der Ming- bis zur mittleren Qing-Dynastie

⁴ Kantonesisch Ngaa Mun, Staatsamtssitz im feudalen China

⁵ Zaan Sang Tong ist der Name von Loeng Zaans Geschäft für Chinesische Medizin. (vgl. Kapitel 3)

⁶ vgl. Kapitel 3

⁷ Die Aussprache für die beiden Zeichen und sind im Hochchinesisch absolut identisch (yǒng), während sich die Aussprache im Kantonesischen zwischen (wing5) und (wing6) etwas unterscheidet. Auf der Seite http://www.wohok.com/cantonese/pronounciation.php?letter=w&sound=wing können Sie beide Betonungen akkustisch vergleichen. bedeutet hierbei „singen, erzählen, schön“. bedeutet „immerwährend“.

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