Kapitel 8

Darsteller der Kantonesischen Oper bei der Vorbereitung (Bildquelle: nddaily.com)

Nachdem er Loeng formal zu seinem Schüler gemacht hatte, sagte ihm der alte Mann, dass er Meister Zi Sin aus dem Shaolin Kloster sei. Er war nach Guangdong geflohen, nachdem das Kloster niedergebrannt worden war. Um die Verfolgung der Qing-Regierung zu vermeiden, ließ er seine Haare wachsen und verkleidete sich als ein gewöhnlicher alter Mann. Er war weit und breit auf der Suche nach talentierten Menschen, die er lehren und die Fertigkeiten der Kampfkunst anvertrauen konnte. Er hatte etwa ein halbes Jahr in Dung Gun unterrichtet, jedoch, den wenigen Schülern die er hatte, mangelte es an Intelligenz und sie machten kaum Fortschritte. Von da an, wusste Loeng, dass der alte Mann ein bedeutender Mönch war und so widmete er seine ganze Aufmerksamkeit und sein Herz dem Lernen. Nach drei Jahren äußerst sorgfältigen Übens, beherrschte er Wing Chun (永春) und den Luk Dim Bun Gwan. Und Meister Zi Sin verließ Dung Gun.

Obwohl Meister Zi Sin gegangen war, befolgte Loeng seine Anweisung und baute all die notwendigen Geräte zu Hause auf um mit seinen Übungen fortzufahren. Auf der anderen Seite wiederum hielt nun er nach talentierten Menschen Ausschau und nahm schließlich einen Schüler auf, Wong Lou Zo von der Hau Straße. Loeng lehrte Wong alles was er wusste. Als Wong allen Fähigkeiten gerecht wurde, gründete er eine Kampfkunstschule in der Hau Straße. Viele Menschen kamen, um von ihm zu lernen und er wurde sehr berühmt. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Hau Straße immer noch ein Ort für Kantonesische Opernaufführungen und viele Künstler sammelten sich dort. Wenn die Rote Dschunke am Flussufer vor Anker ging, so gingen sie zu Wong um Kampfkunst zu lernen, da sie wussten, dass er den Wing Chun Stil (永春) lehrte.

Bevor er ein Schüler von Loeng Bok Lau wurde hatte Wong bereits ein Set der Buddha-Handflächen (佛掌, Fat Zoeng) gelernt, das ebenfalls aus dem Shaolin Kloster stammte. Jedoch bestand die Übungshaltung aus langer Brücke und weitem Stand. Nach dem Erlernen der Wing Chun Kyun erkannte Wong, dass Fat Zoeng gut für den Angriff, aber nicht zur Verteidigung geeignet war. Er widmete seine Zeit der Analyse des Wing Chun Kyun und Fat Zoeng. Er verband ihre Stärken um eine allumfassende Faustkampftechnik zu entwickeln, die sowohl gut für Angriff als auch Verteidigung war. Er nannte sie Saam Baai Fat Sau (三拜佛手). In seiner Schule lehrte er vor allem Wing Chun Kyun, Saam Baai Fat Sau und Zong Kyun (桩拳) und die Waffe war Luk Dim Bun Gwan.

San Gam hatte ebenfalls gehört, dass Wong Lou Zo Wing Chun Kyun und Luk Dim Bun Gwan in der Hau Straße unterrichtete und war überzeugt, dass sie von der gleichen Schule stammten. Er nutzte die Gelegenheit Wong zu besuchen, als er mit der Truppe an der Hau Straße spielte. Er sprach Wong nach der Vorstellung an. Als sie über die gelernten Fähigkeiten sprachen, und San erfuhr, dass Wongs Kenntnisse von Meister Zi Sin weitergegeben worden waren, war er sich sicher, dass ihre Kenntnisse und Fähigkeiten vom gleichen Ursprung ausgingen. Sie hatten ein gutes Gespräch, welches erkennen ließ, dass die Wing Chun Kyun, die sie lernten die gleiche war, wie auch der Luk Dim Bun Gwan. Der einzige Unterschied bestand darin, dass Leung Bok Lau die Kunst in einem Haus und San auf der Roten Dschunke gelernt hatte. Die Holzpuppe für das Üben wurde in „statische Puppe“ und „bewegliche Puppe“ unterschieden. In Bezug auf den Luk Dim Bun Gwan wurde San gelehrt, die Holzpuppe als einen imaginären Feind anzusehen. Allerdings wird beim Erlernen der Kunst auf festem Boden mehr Aufmerksamkeit auf Stand und Beinarbeit gelegt. Nach ihrem ersten Treffen und einer eingehenden Diskussion, war Wong überzeugt, dass das was San übte, für seine Schüler, die vor allem auf der Roten Dschunke arbeiteten, geeignet war. Wann immer San zur Hau Straße ging um aufzutreten, lud Wong ihn in seine Schule zu weiteren Diskussionen ein. Beide tauschten Informationen aus, welche als weitere Einsichtnahme  und zum Kraftaufbau dienen sollten. Somit lernte San auch die Saam Baai Fat Sau.

Bevor San sich mit Wong anfreundete, hatte Wong bereits den Anspruch geltend gemacht, dass seine Kampfkunsttechnik vom Wing Chun Stil (永春) herkam, und er war gut im Luk Dim Bun Gwan. Obwohl viele seiner Schüler von der Roten Dschunke kamen, hegten sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit von dergleichen Behauptungen, da sie alle wussten dass Wing Chun von Meister Zi Sin an Wong Waa Bou und Loeng Ji Tai weitergegeben wurde, als er sein Leben auf der Roten Dschunke begründete. Seitdem war die Kunst von Wong (Wong Waa Bou) und Loeng (Loeng Ji Tai) unter den Leuten der Truppe verbreitet worden. Da Wong (Wong Lou Zo) keine Verbindung mit den Menschen auf der Roten Dschunke hatte und er erklärte, dass er seine Fähigkeiten von Loeng Bok Lau gelernt hatte, der wiederum nicht mit den Menschen dieses Kreises in Verbindung stand, war es ein Rätsel, wie er dazu kam eine solche Kunst zu kennen. Deshalb hielten es sehr viele Leute der Roten Dschunke für möglich, seine Inanspruchnahme sei falsch. Es gab einen Ji Faa Min (二花面) [untergeordneter starker männlicher Charakter]¹, genannt Daai Ngau Hong (大牛項), der ein Schüler von Wong Waa Bou war und den Luk Dim Bun Gwan von Wong (Wong Waa Bou) gelernt hatte. Er war einer derjenigen die Wong (Wong Lou Zo) nicht glaubten und er sagte den anderen, dass Wongs Fertigkeiten nicht in direkter Linie von Meister Zi Sin weitergegeben worden sein konnten. Er suchte nach einer Möglichkeit mit Wong zu kämpfen. Erst als San und Wong Freunde wurden, konnte Daai Ngau Hong mit San überprüfen, dass Wong derselben Schule enstammte wie er.

¹ Charakter in der Kantonesischen Oper

Übersetzung Copyright: Diese Übersetzung ist die geistige Arbeit der Mitarbeiter der berlin siu lam wing chun pai. Es ist untersagt, diese Übersetzung ohne ausdrückliche Genehmigung in irgendeiner Weise zu verwenden / publizieren.

Zurück
Weitere Kategorien
Who is Who

Das Who is Who der berlin siu lam wing chun pai

Bettina Pela

Ich übe seit vielen Jahren Chi Kung und Wing Chun. Dabei waren ganz unterschiedliche Personen meine Lehrer. Seit einer Reihe von Jahren leite ich... Weiterlesen

Peter Scholz

Mein Name ist Peter Scholz und ich bin der Gründer der Berliner Kung Fu Schule für Siu Lam Wing Chun. 1997 habe ich begonnen Kung Fu zu lernen, seit... Weiterlesen

Maximilian Kraft

Kung Fu (功夫), im Speziellen Wing Chun (永春), bedeutet für mich, wie das chinesische Schriftzeichen 永 - immerwährendes Üben. Als... Weiterlesen
Curriculum

Das Curriculum der berlin siu lam wing chun pai

Ci Sau

Das Ci Sau (黐手, Klebende Hände, Sticky Hands) ist ein elemanterer Bestandteil zum Entwickeln der korrekten Körperhaltung, -spannung und -dynamik.... Weiterlesen

Muk Jan Zong

Der Muk Jan Zong (木人樁) ist das Trainingsgerät, wenn kein Partner zur Verfügung steht. Der Name bedeutet "Hölzerner Mensch Pfahl" (Holzpuppe). Wir... Weiterlesen

Soeng Gung

Die Soeng Gung (雙工) ist die zweite Handform des Wing Chun Zweiges der Tang Familie. Der Name bedeutet "Zweifache Arbeit". Sie verbindet Beinarbeit und... Weiterlesen
Weitere Informationen
Standort

Wir sind hier

Conrad-Blenkle-Straße 2, 10407 Berlin

Bahnverbindung

S8, S9, S41, S42 S Landsberger Allee

M5, M6, M8, M10 Landsberger Allee / Petersburger Straße

BUS 156 S Landsberger Allee

Stundenplan

Trainingszeiten

Kontakt

Persönliche Anfrage starten

Sie erreichen uns telefonisch unter 030-20662228. Falls wir im Training sind, rufen wir Sie innerhalb 24 Stunden zurück.

Sie können auch das Kontaktformular verwenden.