Kapitel 2

Rotes Boot

 

San Gam (新錦) half Fung Siu Cing (馮小青) seine Kündigung beim Ladenbesitzer Siu Kyun¹ (蕭權) abzugeben und nahm ihn mit auf das Rote Boot², um dort Sans persönlicher Diener zu sein. Wenn San auf der Bühne stand und seine eigenen Kostüme wechselte, würde sie Fung aufräumen, ordentlich zusammenlegen und zurück in die Kisten packen. Da Fung vorsichtig und systematisch arbeitete, gewann er Sans Gunst. San sah ihn als seinen persönlichen Schützling an. Egal wohin das Rote Boot reiste, San nahm Fung immer mit. Auch wenn San in jener Zeit ein berühmter Operndarsteller war, praktizierte er doch weiterhin gewissenhaft Kampfkunst. Auf dem Roten Boot waren Geräte wie eine Langstockholzpuppe (棍樁 Gwan Zong), eine bewegliche Puppe (活樁 Wut Zong) und Sandsäcke angebracht.

Nach dem, was San Fung erzählte, waren diese Übungsgeräte die Wing Chun Kyun (永春拳) Einrichtung. Zen-Meister Zi Sin (至善禪師) wurde, nachdem das Shaolin Kloster (少林寺) niedergebrannt worden war, aufgrund seiner ablehnenden Haltung gegenüber den Mandchu³, von der Qing (清) Regierung streng überwacht. Als er in den südlichen Teil Chinas reisen wollte um dort seine Kampfkunstfertigkeiten weiterzugeben, verkleidete er sich auf dem Roten Boot als Küchenmitarbeiter, und dort nahm er zwei Schützlinge auf. Der eine war Wong Waa Bou (黄華寶) der den Daai Faa Min (大花面, ein starker männlicher Charakter) in der Truppe spielte. Der andere war Loeng Ji Dai (梁二娣), der Bootsmann war und bekannt war als Duk Seoi Gwai (篤水鬼, Stakender Wassergeist). Er bewegte das Boot, indem er sich mit einem langen Bambusstab im Flussbett abstieß. Meister Zi Sin vermittelte ihnen heimlich sein Wushu (武術).

Meister Zi Sin unterrichtete seine Schüler gemäß ihrer Auffassungsgabe. Die Technik des Siu Lam Kyun (少林拳, Shaolin Faustkampf) fusste auf dem Ng Jing Kyun (五形拳, Fünf Formen Faustkampf). Nichtsdestotrotz, wegen des Platzmangels an Bord konnte Meister Zi Sin seinen Schülern Wong und Loeng nicht die fünf Formen beibringen, die Coeng Kiu Daai Maa (長橋大馬, lange Brücke und weiten Stand) erforderten. Stattdessen lehrte er sie Dyun Kiu Zaak Maa (短橋窄馬, kurze Brücke und engen Stand) und modifizierte den weiten Stand zu Ji Zi Kim Joeng Maa (二字箝羊馬, Zeichen Zwei, die Ziege klemmen Stand). Praktisch bedeutet das, dass die beiden Füße ungefähr einen Fuß (30cm) weit auseinander stehen, und die beiden Knie ein paar Zoll. In dieser Haltung wären die Beine wie eine Zange. Würde man so einen Ziegenhals einklemmen, wäre die Ziege nicht in der Lage sich zu befreien und zu entkommen, und das ist Grund warum dieser Stand so benannt wurde.

Die Kiu Sau (橋手, Brücken Hände) konnte unterteilt werden in Tan Sau 攤手, ausbreitende Hand), Fuk Sau (伏手, verbergende Hand), Bong Sau (膀手, Flügel Hand), Gang Sau (耕手, Pflug Hand), Zaak Sau (責手, tadelnde Hand), Laan Sau (攔手, versperrende Hand) und Sik Sau (拭手, wischende Hand).

Die Zoeng Faat (掌法, Handflächen Methode) konnte unterteilt werden in Zing Zoeng (正掌, gerade Handfläche), Waang Zoeng (橫掌, kreuzende Handfläche) und Dai Zhang (底掌,Basis Handfläche). Die Veränderung der Haltung war einfach, diese war lediglich vom Maa Sik (馬式, Pferde Stil) hin zum Gung Sik (弓式, Bogenstil). Die Haltung des Bogenstils war dadurch gekennzeichnet, dass der hintere Fuß als Gewichtsanker dominiert, während der vordere Fuß eine untergeordnete Rolle spielte. Das Wing Chun (永春) hatte seinen Schwerpunkt auf dem Training mit der Holzpuppe. Die Einstellung beim Üben ist, den Körper unter Einbezug von Hand und Ellenbogen von der Seite zur Front zu drehen, wobei Ellenbogen und Handfläche gleichzeitig schlagen. Laat Goek (辣腳, heißer Fuß)  und Gang Sau (耕手) sind heftige Schläge.

Ci Sau (黐手, klebrige Hände), Holzpuppe und Sandsäcke waren praktische Fertigkeiten. Das Ci Sau wurde zwischen zwei Personen geübt, was ähnlich dem Tui Shou (推手, Pushing Hands) der Tai Ji Quan⁴ (太極拳) war. Das Üben mit der Holzpuppe erforderte nur die kurze Brücke und den engen Stand und sehr wenige Schritte. Deshalb waren für das Laufen einer Form des Faustkampfes nur einige Quadrat-Fuß nötig was es passend für das Üben auf dem Roten Boot machte.

Die Langstock Technik wurde Luk Dim Bun Gwan (六點半棍, 6,5 Punkte Stock) genannt. Die sechs Punkte waren: Tai (提, heben), Laan (攔, versperren), Dim (點, zeigen), Kit (揭, abheben), Got (割, schneiden) and Wan (運, transportieren).  Der halbe Punkt war Lau Gwan (漏棍, ausströmender Stock). Umfasste die Ausführung der Langstocktechnik nur sechseinhalb Punkte, war diese doch sehr wandelbar. Weil Loeng Ji Dai das Boot manövrierte und den ganzen Tag einen Stock in der Hand hielt, unterrichtete Meister Zi Sin ihn im Speziellen in der Langstocktechnik. Der Manövrierstock war sehr lang, ungefähr neun Fuß und drei Zoll (2,80 Meter).

Als Meister Zi Sin seine Kunst des Wushu an Wong Waa Bou und Loeng Ji Dai weitergab, waren sie meistens auf dem Boot. Hierfür  waren auf dem Boot Sandsäcke, Wut Zong (活樁, bewegliche Puppe) and Gwan Zong (棍樁, Langstockpuppe) angebracht. Die Sandsäcke wurden aufgehängt. Aber auf dem Boot konnte die Holzpuppe nicht im Boden verankert werden. Das untere Ende der Puppe konnte also nur mit Steinen in einer Kabine befestigt werden. Schon bei kleinen Berührungen bewegte sich die Puppe unweigerlich ein bisschen. Das ist der Grund warum sie Wut Zong (活樁, bewegliche Puppe) genannt wurde. Sie war anders als die Sei Zong (死樁 starre Puppe), deren Basis tief in den Boden eingegraben wurde und sich nicht bewegte, wenn man sie berührte. Die Gwan Zong (棍樁, Langstockpuppe) war mit einem Holzgestell gebaut. Das Gestell maß acht mal acht Fuß (2,44m x 2,44m) in der Form des Schriftzeichens 田. In alle vier Ecken und in die Mitte wurden Langstöcke aus Holz gebunden. Diese ragten rund einen Fuß (30cm) aus dem Gestell hervor, nur der Mittelstab war etwas länger. Die Langstockpuppe hing auf Brusthöhe an der Wand. Man gebrauchte die Langstockpuppe indem man sich dem Gestell gegenüberstellte und sich vorstellte, dass die vorstehenden Stöcke die Spitzen der feindlichen Stöcke waren und wendete dann den Luk Dim Bun Gwan (六點半棍, 6,5 Punkte Langstock) an. Einmal versperren, einmal transportieren, einmal zeigen, einmal schneiden, einmal heben, einmal abheben, alle fanden in der Form Beachtung.

Neben dieser Trainingseinrichtung, unterrichte Meister Zi Sin Wong and Loeng außerdem noch überaus sorgfältig. Nach einigen Jahren hatte beide großes erreicht. Wong war gut mit der Faust, während Loeng gut mit dem Stock war. Meister Zi Sin erzählte ihnen, dass er dieses Kung Fu neben ihnen einst auch Jim Ji Gung (嚴二公) in Jiangxi (江西) und Loeng Bok Lau (梁博流) in Dongguan (東莞) gelehrt hatte.

¹ Siu Kyun war Schneidermeister und Fung sein Geselle

² Während des 18. und 19. Jahrhunderts reisten Boote der Kanton-Oper entlang des Flusses zwischen Guangdong und Guangxi. Rot war die sinnbildliche Farbe dieser Boote

³ Die Mandschuren sind bis heute eine Bevölkerungsgruppe im Nord-Osten Chinas. Sie beendeten im Jahre 1644 die Ming-Dynastie und brannten das Shaolin Kloster 1732 nieder. Der Legende zufolge konnten die Fünf Älteren, unter Ihnen Zen Meister Zi Sin, fliehen. Die Mandschuren breiteten sich von Norden kommend in den Süden aus, deshalb flohen die Mönche in den Süden. Zen Meister Zi Sin floh in die Provinz Guangdong

⁴ Das im allgemeinen bekannte Tai Ji Quan oder Tai Chi Quan wird im in Jiutping Cantonese 'Taai3 Gik6 Kyun4' geschrieben. Hier wird die allgemein übliche, dem hochchinesischen entlehnte Umschrift verwendet

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2. überarbeitete Fassung.

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