Einige Grundsätze für das Üben

  • die Bewegungen sollen mit einer ausbalancierten Körperhaltung sanft, langsam, sachte und gleichmäßig  durchgeführt werden
  • die Wirbelsäule leitet Bewegungen durch den ganzen Körper
  • die Bewegungen sollen fortlaufend wie fließendes Wasser sein, um Körper und Geist zur Ruhe zu bringen
  • Herstellen einer rhythmischen Kombination von Entspannung und Anspannung sowie Dynamik und Trägheit

Dabei kommt Achtsamkeit eine besondere Bedeutung zu:

Achtsamkeit wird im umgangsprachlichen Gebrauch häufig als Synonym für Auf-merksamkeit benutzt. In der  Übungspraxis des Chi Kung bspw. bedeutet Achtsamkeit während  der  Meditation eine Lenkung der Aufmerksamkeit in die Zeit, die jetzt ist. Achtsamkeit mit sich selbst, sich zu gestatten, seine Körperempfindungen, Gefühle, Gedanken zu betrachten, wie sie kommen und zu sehen, wie sie wieder vergehen. Schließlich die Haltung, die während der Meditation eingenommen wird, sitzend auf einem Kissen oder in sich wiederholenden Bewegungen im Chi Kung oder in der Kampfkunst. Daneben, -die innere Haltung- Zeit zu haben, nichts bewerten zu müssen und/ oder nicht handeln zu müssen. Der Weg zum Einnehmen einer rechten inneren Haltung wie sie im Chan/Zen Buddhismus beschrieben wird, bedarf einiger Übung. „Für Europäer gibt es einen guten Zugang [...], indem man sich das Wissen um westliche Traditionen und Erkenntnisse vergegenwärtigt. Zunächst ist es ratsam den wesentlichen Unterschied zwischen einer diskursiven Betrachtung und einer intuitiven Meditation wahrzunehmen.¹“

Der Begriff der Achtsamkeitsmeditation hat seine Wurzeln im Buddhismus, aber nicht ausschließlich, denn Achtsamkeit und Meditationspraktiken findet man in vielen Kulturen. Sie ist nicht religiös gebunden, sondern es geht um eine grundlegende Fähigkeit des Menschen, in einer gewissen Weise aufmerksam zu sein und die Wahrnehmung zu schulen. Mit Hilfe ausgewogener Bewegungen und Haltungen, mit geistiger Sammlung und Vorstellungen kann auf natürliche Weise der Atem vertieft werden; Verspannungen, Fehlhaltungen, innere Unruhe sowie andere körperliche oder geistig-seelische Unausgewogenheiten können durch regelmäßiges Üben im positiven Sinne reguliert werden. Viabilität findet sich im Chi Kung und der Kampfkunst - es ist genau das, was es vorgibt zu sein, ein andauerndes Üben.

In den 1970er Jahren entwickelte Jon Kabat-Zinn, Professor emeritus der Medizin an der Universität von Massachusetts, auf der Grundlage der buddhistischen Achtsamkeitstradition das als Mindfulness Based Stress Reduction, MBSR, bekannte Meditationstraining und setzte es in den USA mit großem Erfolg in der Behandlung von Stress- und Burnout-Patienten ein. Inzwischen wird Achtsamkeitsmeditation bei einer breiten Palette psychischer Erkrankungen angewendet, wie zum Beispiel Substanzabhängigkeiten, Depressionen, Essstörungen oder chronischen Angst- und Schmerzerkrankungen. Eine Studie² von Bergomi 2007 beschreibt den Zusammenhang von Achtsamkeit, buddhistischer Meditation und psychischer Gesundheit. In den Ergebnissen der Studie wird auch deutlich, dass der Einfluss der Achsamkeitsmeditation auf die psychische Gesundheit der Menschen, die über längere Meditationserfahrungen (mehr als drei Jahre)  verfügen, höher ist. (Es kann natürlich auch am Lebensalter liegen, denn mit den Jahren wird man ja gesetzter.) Was in oft jahrelanger Arbeit erarbeitet/gelernt und angewandt  wurde, das wird nicht ohne weiteres vergessen.

Beim Lernen werden wichtige  Netze aktiviert, um zunächst „flüchtige mentale Strukturen“ zu bilden.[...] Solche flüchtigen mentalen Strukturen bestehen physisch aus Verbundsystemen, die „nachhallend“ aktiviert und durch gleiche elektrische Schwingung in Nervenbahnen eine bestimmte Neuronenverbindung vorläufig herstellen und aufrechterhalten. Allerdings nur kurzzeitig („Arbeitsgedächtnis“). Wird eine Verbindung nun immer wieder aktiviert (durch Übung, Anwendung), festigt sie sich: die Synapsen, die Verbindungsstellen zwischen Nervenbahnen, werden dicker, das Verbundsystem „funkt“ dauerhaft stabil. Diese denkende Erzeugung neuer Neuronenkombinationen durch aktive Stabilisierung nennen wir umgangssprachlich „Lernen“.

¹ Enomiya- Lassalle, H.M.; Zen Unterweisung, S. 110

² Achtsamkeit, buddhistische Meditation u. psychische Gesundheit, aus der Zusammenfassung

Zurück